Moritzburg2016 07 900Mein dritter Anlauf in Moritzburg wurde erneut von einigen Kobolden (= böse Ereignissen), aber auch von Elfen und Feen (den Guten) begleitet. Also man kann den Artikel als Fortsetzung von Uwes "Moritzburgmärchen" vom vergangenen Jahr lesen.

So richtig toll lief es für mich in Moritzburg noch nie. 2013 war es im Großen und Ganzen ok für ein Halbdistanzdebüt - allerdings wurde ich damals in T1 zur Lachnummer, weil ich für alle sichtbar mehrere Minuten mein Fahrrad suchte (hatte mir Wechselzone seitenverkehrt eingeprägt). Der Mann am Mikrofon machte damals in dankenswerter Weise auch noch alle Zuschauer auf den Irrläufer aufmerksam. Auf der Radstrecke verlangsamte mich dann ein Schleicher ab Ende der ersten Radrunde kontinuierlich - die Luft reichte aber bis zum Wechsel auf die Laufstrecke.

 

2014 war der Tag der Anreise mit dem Verlust einiger Energiereserven verbunden, so dass die Power nur bis zu zwei Drittel der Radstrecke reichte. Darüber hinaus sorgen die Kopfsteinpflasterpassagen für den zweimaligen Verlust der guten Aerotrinkflasche - die ich natürlich nicht einfach liegen ließ. Am Ende gab's aber trotzdem eine bessere Platzierung als im Vorjahr.
"Alle guten Dinge sind drei" - war 2015 mein Gedanke, und ich meldete mich trotz deutlich gestiegener Startgelder wieder zu diesem wirklich besonderen Event an. Zu einem Start sollte es aber gar nicht kommen, weil ein böser Moritzburger Kobold eine Dienstreise nach Berlin unternahm und mich vier Tage vor Start Bekanntschaft mit dem Asphalt machen ließ (Schultereckgelenkssprengung). Netterweise bekam ich wenigstens einen Teil meines Startgeldes zurück - Danke an den Veranstalter - das ist nicht alltäglich.
Soweit die Historie. Irgendwann muss es doch mal klappen mit einem runden Rennen in Moritzburg - ist schließlich ein richtig schöner Wettkampf, bei dem mir wirklich kaum was zu nörgeln einfällt - mit Ausnahme der Kopfsteinpflasterstücken auf der Radstrecke.

Bevor es um mein Moritzburg-WE geht, hier ein >>>Schöner Fernsehbericht (Quelle: tvM Meissen Fernsehen) vom Sa (HD und LD) - da gibt es mehr Eindrücke zu diesem besonderen Rennen

Der Kobold auf der Anfahrt.

Moritzburg2016 01 900Nach unauffälliger Busreise ins schöne Dresden waren nur noch 11km zum Zeltplatz zu absolvieren. Sollte machbar sein - leider nach 4km - ein lautes Zischen vom Vorderrad - Hoffnung, dass die Pannenmilch wie bisher immer ihren Dienst tut - leider vergeblich, das Hoffen. Diverse Versuche meinerseits und im nahegelegenen Fahrradladen führten zu keiner Selbstreparatur. So blieb nur noch die Hoffnung, in Moritzburg Hilfe zu finden. Ersatzschlauchreifen hatte ich bekoppter Weise diesmal nicht mit (ging ja bisher immer ohne).

 

 

Moritzburg2016 02 900In Moritzburg sah ich zwei Möglichkeiten. Leihvorderrad von einem anderen Sportler oder Reparatur beim Bikeservice. Auf dem Zeltplatz war noch kein größeres Aufgebot an Sportlern zu finden, also ab nach Moritzburg und neben Startunterlagen und Nudelparty auch noch die Reparatur organisieren. Lange Rede, kurzer Sinn: 80 Euro und Abholung am nächsten Morgen sicherten meinen Start. Ein Problem war dann aber noch zu lösen: Was mache ich mit dem Rest vom Rad? Ein sehr verständnisvoller Kampfrichter gab mir die Genehmigung, das Rad schon am Tag zuvor in der Wechselzone abzustellen - eigentlich nicht erlaubt. Danke für das Entgegenkommen!

 

The Race - fast ohne Kobolde

Start des Rennens - die Kobolde verlieren mich aus dem Visier

Moritzburg2016 03 900Am nächsten Morgen: Eine Stunde vor Start hatte ich mein Vorderrad wieder da, wo es hingehört. Also schnell ohne weitere Verzögerungen in die Wechselzone - wessen Rad steht neben mir in der Wechselzone? - Valentins. Neugierig wie ich bin, frage ich nach seinen Zielen - Moritzburg macht man ja nicht als Trainingswettkampf. Und richtig - Mindestziel Top10 und vielleicht ins Preisgeld (Top6). Ich bin sicher, das ist nicht zu hochgegriffen. 10:30 Uhr: ein lauter Knall - nein, nicht die Startkanone - es war ein Reifen. Wieder so ein Kobold - der Sportler war schon in Richtung Start unterwegs - Schöne Sch... man stelle sich vor - voller Vorfreude pellt man sich aus dem Neo und muss feststellen, dass man einen Platten hat. Aber Moritzburg wäre nicht Moritzburg, wenn man sowas nicht irgendwie hingezaubert bekommt. 15min für dem Startschuss war das Rad wieder fahrbereit.
Moritzburg2016 04 900Punkt 11 Uhr Startschuss für die Männer auf der Halbdistanz - traditionell mit Kanonenschuss. Die 60 Damen durften diesmal 10min später los, während die 90 Staffeln 10min vorher für freie Bahn im Schlossteich sorgten. Für mich hieß es wie üblich - schön am Rand aus dem Gewühle der 330 Starter raushalten und entspannt ohne zu viel Last auf der defekten Schulter irgendwann eine passende Gruppe finden. Das gelang ganz gut und diesmal auch ganz ohne Wadenkrämpfe. Die kamen dann dafür in T1, naja, 30sec hat das höchstens gekostet.
Schwimmzeit:  31:49 Minuten (64.) Auch wenn die guten Schwimmer lächeln, ich bin damit sehr zufrieden 40 Plätze und 2:30min schneller als beim letzten Mal.

Nachwuchskobolde auf der Radstrecke

Nun auf zum Radeln - das macht mir üblicherweise Spaß, weil ich als Bleiente tendenziell erstmal viele Mitstreiter einhole. Das war diesmal irgendwie anders. Nach wenigen Kilometern kam der erste Konkurrent mit riesiger Geschwindigkeitsdifferenz vorbeigeschossen und war nach wenigen Minuten überhaupt nicht mehr zu sehen - das gab mir zu denken - viele Leute habe ich auch im Anschluss nicht überholt, hinzu kamen Kopfschmerzen.
Im Nachhinein ist das auch alles erklärbar gewesen. Der Raketenfahrer war der Mann mit dem unaussprechlichen Namen >>Zoltan Senczyszyn<< (42km/h) und die 40 gewonnenen Schwimmplätze bedeuten, dass 40 Leute weniger vor mir aufs Rad gestiegen sind - logisch, oder? Der Radpart lief dann aber zumindest kontinuierlich ohne große Vorkommnisse.

koboldAch nein, da waren doch noch zwei Nachwuchskobolde. Einer versteckte sich an der Kopfsteinpflasterpassage Bärwald und sorgte dafür, dass mein Flaschenhalter incl Flasche abbrach und nun da irgendwo im Graben liegt. Der Zweite verhinderte, dass ich nach dem Kopfsteinpflasteranstieg in Naunhof erstmal für viele Kilometer nichtmehr aufs große Kettenblatt schalten konnte. Da half mir mein Trittfrequenztraining vom Winter sehr.
Die beiden Aushilfskobolde konnten mich aber nicht großartig bremsen und so stieg ich nach 2:21 Stunden vom Rad in der Hoffnung, dass ich beim Laufen die Kopfschmerzen irgendwie wegbekomme.
Radzeit: 2:21:24 Stunden (39.) - Auch hier kann ich zufrieden sein - die Radtrecke hat es aus Sicht des Flachlandtirolers in sich. Höhenmeter, Kopfsteinpflaster und ein paar enge Kurven die dem Rennradlegastheniker Kopfschmerzen bereiten können. Am Ende fast ein Km/h schneller und fast 30 Plätze besser als 2014. Nicht toll, aber ...

Laufpart - Coffein gegen Kopfschmerzen - Kobolde weggespült

Zunächst die Ankunft in T2: Valentins Rad war nicht da - seltsam. Inzwischen weiß ich aus gut unterrichteter Quelle, ein weiterer Kobold  - getarnt als Katze -  lief ihm ins Rad - Sturz - Hüftprellung - Rennen beendet. Das kann es doch wirklich nicht geben! Wenn ich an das viele Blaulicht denke, was während des Rennens immer wieder irgendwo auftauchte, gab es wohl noch mehr solche oder ähnliche Vorkommnisse. Kobolde im Dauereinsatz. Bemerkenswert aus meiner Sicht 12. Wechselzeit bei 330 Startern ist für meine Verhältnisse auch kaum zu toppen. Ich wollte wohl schnell auf die Laufstrecke.

Moritzburg2016 06 900Beim Laufen waren zunächst die Kopfschmerzen meine größte Sorge. Beim Radfahren hatte ich mir aber schon eine Strategie zurechtgelegt:
Alle 2 km alles Wasser über den Kopf was ich bekommen kann und dazu ein Becher Cola - Coffein soll ja helfen. Die Dichte an Verpflegungspunkten ist in Moritzburg echt der Hammer. Auch die angebotene Verpflegung ist nicht zu toppen (Wasser, Schwämme, Iso, Cola, Früchte, Gels und Riegel). Die Coffeinkur funktionierte gut - nach der ersten Runde (7km) war der Kopf klar und der Körper bereit für Großes. Uhr und Gefühl gaben Anlass zum Optimismus. Ab km 10 schaute ich mich langsam um, welche Läufer mit mir in der gleichen Runde waren und ob noch ein paar Plätze zu holen sind. Da ging noch einiges. Wenn ich mich recht erinnere, wurde ich wirklich nur zweimal überholt - ein Staffelläufer und der Führende, der hatte nun allerdings schon eine Runde Vorsprung - gewinnen geht wohl nicht mehr.

UrkundeMeine "Wasser-auf-Kopp-und-Cola-in-den-Kopp-Strategie" zog ich bis zum Ende konsequent durch. Die Laufstrecke in Moritzburg macht wirklich Spaß. Teils läuft man durch Moritzburg mit ganz vielen Zuschauern und den Trommlern, die für Stimmung sorgen. Dann geht's auf Waldwegen wellig durch den Schlosswald. An steilen Stellen bekommt man Unterstützung durch Mini-La-Ola-Wellen, und wegen der parallel laufenden Langdistanz ist man nie allein unterwegs.

Auf der letzten Runde sah ich dann auch mal ein bekanntes Gesicht. Maria kam mir entgegen und sah auch recht entspannt und zufrieden aus. Am Ende stand für sie ein guter 26. Platz in 5:27:11 Stunden in der Ergebnisliste (8.Pl AK30 w).
Zu Beginn der letzten Laufrunde sah es so aus, als ob es für mich am Ende eine richtig gute Halbdistanzzeit werden könnte - genau die richtige Motivation, um nochmal alles rauszuholen, was noch an Energie da war. Langsam wurde es hart: Bergauf und bergab deuteten sich die ersten Krämpfe an. Strategie: ruhig, Brauner - wenn's wieder flach wird, dafür ein bisschen zügiger. Auch das hat funktioniert und die letzte Runde war genauso schnell (oder langsam) wie die ersten beiden.
Laufzeit: 1:26:32 Stunden (14.) - Der Lauf lief perfekt und ganz gleichmäßig - Motitzburglaufzeit um 3:30min verbessert.

 

 

After Race - Nur noch Elfen und Feen in Sicht

Moritzburg2016 09 900Im Ziel gab's liebe Umarmungen - mindesten 10 Stücken Kuchen (sehr lecker), einen guten Liter Cola und sogar ein paar anerkennede Worte von der Konkurrenz. 30min später wurden die ersten Ergebnisse ausgehängt und ich staunte nicht schlecht. 18. Platz in 4:23:30 Stunden in Moritzburg - das hätte ich nicht erwartet.
Insgesamt ein wirklich schnelles Rennen die Zeiten waren im Vorderfeld ca. 6min schneller als im Vorjahr. 3min entfielen aufs Schwimmen - diesmal mit Neo. Die anderen 3min kamen aufs Laufen durch die angenehmen Bedingungen 20 Grad und bedeckt. Die Radzeiten waren zum letzten Jahr fast identisch.

Die vier Erstplatzierten blieben unter der magischen 4h-Grenze.

Der Abend - GAAAAAANZ gemütlich - Kobolde kein Thema mehr

Moritzburg2016 12 900Kurz erzählt und ohne besondere Vorkommnisse. Ab zum Zeltplatz - duschen - dann ein bisschen Spazierengehen im nun ruhigen Moritzburg. Einzig die letzten Starter auf der Langdistanz sorgten dafür, dass die Trommelgruppe an der Laufstrecke weiterhin Stimmung machte. Ein paar Kugeln Eis waren auch noch zu bekommen. So muss es sein.
Inzwischen war Winfried mit Booten und Paddeln für den nächsten Tag eingetroffen. So konnten wir noch gemütlich zu dritt abendessen. Insgesamt ein gelungener Triathlon Samstag.

 

Der Sonntag - Die Kobolde holen zum großen Schlag aus

Moritzburg2016 13 900Der Versuch am Sonntag aufzustehen, fällt am Tag nach einer Halbdistanz verdammt schwer, und jede Handlung dauert zumindest bei mir zwei bis dreimal so lange wie sonst - aber das weiß ich ja vorher. Nach entspanntem Frühstück ging es gegen Mittag zu Großen Röder. Seit vier Jahren habe ich die Idee diesen Paddelgeheimtipp im Rahmen des Mortzburg-WE mal mit dem Boot auszuprobieren. Immer kam was dazwischen: entweder Wetter oder Mangel an Begleiter - alleine macht's kein Spaß und ist logistisch schwer zu organisieren.

 

 

Moritzburg2016 19 900Diesmal sollte es klappen und ich/wir müssen sagen, es lohnt sich. Zwar waren wir nur 3 oder 4 Stunden auf dem Wasser, die waren aber toll. Sehr schön, hin und wieder kleine Stromschnellen und wunderbare Landschaft. Einzig die vielen kleinen Wehre stören. Mit leichten  und leeren Booten aber gar kein Problem. Die Umtragestellen sind kurz und ganz einfach. Der Pegel in Radeberg lag bei 35cm / 0,5qm. Das war für unsere Boote (ohne Gepäck) völlig ok - nur nach einem Wehr mussten wir 50m treideln. Pegel Großdittmannsdorf (55cm/2qm). Winfried konnte endlich sein neues Origamiboot ausprobieren und mein Schlauchkajak war auch ganz praktisch für die Aktion. Das Origamiboot sollte sich aber als gar nicht so einfach zu handhaben darstellen - zwei Kenterungen - waren da doch noch ein paar Wasserkobolde unterwegs? Bootsabbau und Autonachholung (per Bus) verliefen Koboltfrei lt. Fahrplan.

Moritzburg2016 21 900ABER dann der Chefkobold. In Ebersbach hatten wir an einer unübersichtlichen Straßensituation einen bösen Unfall. Keine Personenschäden, ein Auto Totalschaden, unser Auto nicht mehr fahrtüchtig. 4 Stunden Unfallaufnahme. Abschleppdienst, Wolkenbruch, Taxi zum Zeltplatz. Und eine weitere ungeplante Übernachtung in Moritzburg. Details spare ich mir - Glück im Unglück, es hätte wohl auch schlimmer kommen können. Am nächsten Mittag ging es dann mit Mietwagen zurück in die Heimat. Bei einer letzten Pause 100km vor Berlin gab's nochmal was für Nostalgiker - es muss nicht immer Carbon sein. Schön oder?

 

Moritzburg2016 28 900   Moritzburg2016 27 900

Unter dem Strich

Moritzburg2016 17 900Moritzburg bietet Märchenhaftes, kommt dabei aber wohl nicht ohne die bösen Kobolde aus. Eine brauchbare Schwimmzeit hilft im weiteren Rennverlauf, bessere Anhaltspunkte im Vergleich zur Konkurrenz zu haben. Schlechte Phasen im Laufe eines mehr als 4stündigen Wettkampfs (z.B. Kopfschmerzen) kann man überwinden und sind kein Grund aufzustecken - am Ende kann es immer noch gut werden.
Trotz der blöden Trolle vor und nach dem Wettkampf war Moritzburg sportlich für mich richtig gut und der Paddelausflug auf die Große Röder (Zitat: "ein Wunder") ein schönes Sahnehäubchen. Hoffentlich kann ich den Rest der Strecke auch irgendwann entdecken.

>>>Schöner Fernsehbericht (Quelle: tvM Meissen Fernsehen) vom Sa (HD und LD) - da gibt es mehr Eindrücke zu diesem besonderen Rennen

 Hier alle A3K-Ergebnisse in Zahlen

Halbdistanz (1,9 - 87 - 21)

Platz Name AK Zeit Swim T1 Bike T2 Run
18.
Dembowski, Holger
3.AK45
 4:23:29
31:49 (64)
2:24 (77)
2:21:24 (39)
1:20 (12)
1:26:32 (14)
DNF.
Von Oy, Valentin
-
-
27:44
1:53
-
- -
26. Blauth, Maria
8.AKw30 5:27:11 37:57 (29)
3:12 (36)
2:50:50 (27)
2:23 (38)
 1:52:49 (23)

>>> Ergebnisse Männer
>>> Ergebnisse Frauen

Moritzburg2016 05 900  Moritzburg2016 08 900  Moritzburg2016 11 900
Moritzburg2016 15 900 Moritzburg2016 22 900 Moritzburg2016 16 900
Moritzburg2016 23 900 Moritzburg2016 26 900 Moritzburg2016 24 900
Moritzburg2016 18 900 Moritzburg2016 20 900   Moritzburg2016 25 900