rennsteiglauf2015aVor genau 40 Jahren, am 9. Mai 1975 um 1 Uhr nachts, standen knapp 1.000 Läufer an der Startlinie, um 50 Meilen über Stock und Stein zurückzulegen. Damals – und auch die nächsten 40 Male ununterbrochen - am Start des Supermarathons: Klaus Krüger und Roland Winkler. Wie sie sich kennenlernten, steht hier.

 

 

 

RolandWinkler: "Also, es war ja so: Es durften nur Männer über die lange Strecke starten. Wir sind am Heuberghaus gestartet. Auf der Hälfte ungefähr - beim Bahnhof Neuhaus - starteten die Frauen, die hatten ´ne Streckenlänge von rund 39 Kilometern. Wir, die schnelleren Läufer, waren dort schon lange durch frühmorgens. Und Klaus und Bernhard sind dann gegen 7 Uhr in Neuhaus gewesen. Und einige Frauen - unter anderem auch meine Frau - die am Anfang noch schneller waren, haben sie am Anfang ihres Rennens überholt (...)"

KlausKrüger: "Wie es der Zufall wollte, kamen mein Bruder und ich am Bahnhof Neuhaus vorbei, als der Lauf der Frauen gestartet wurde. Nun liefen die gerade gestarteten Frauen mit flinken Füßen an uns vorbei und hatten für uns kein Blick. Als allerdings in einem roten Dynamo Trainingsanzug eine junge gut aussehende Läuferin an uns vorbeilief, musste ich sie unbedingt ansprechen, ich hatte sie schließlich schon in den Vorlesungen an der Uni und beim Sport im „Walter Ulbricht Stadion" gesehen. Es war Ingelore Winkler, die die Strecke von 38 Kilometern ohne größeres Training unter ihre Füße nahm. Wir nahmen also ihr Tempo auf und liefen längere Zeit gemeinsam. Mein Bruder, die Plaudertasche, nervte möglicherweise unserer Mitstreiterin etwas, und außerdem veranlasste uns ein an der Strecke liegendes Gasthaus, Rast auf einem warmen und trockenem Klo zu machen. Jedenfalls verabschiede sich Ingelore und lief flott weiter (...) Vielleicht waren es zehn Kilometer bis zum Ziel, da saß doch meine Mitstudentin Ingelore im Wald und wollte nicht mehr so richtig weiter. Für uns war es eine gute Gelegenheit, ebenfalls ein wenig zu sitzen und Ingelore zu überreden, mit uns weiter zu laufen. Wahrscheinlich hat sie befürchtet, dass wir sie ansonsten „zuquatschen", so dass sie dann mit uns gemeinsam dem Ziel entgegenlief. Gemeinsam sind wir dann nach 10 Stunden und 47 Minuten, Ingelore war natürlich nicht ganz so lange unterwegs, ins Ziel gelangt. Der Ehemann von Ingelore, Roland Winkler, hatte wahrscheinlich noch nicht mit seiner Frau gerechnet oder war von seinem schnellen Lauf erschöpft, jedenfalls blieben wir bei Ingelore, bis ihr Mann sie in die Arme nahm. Dass wir seit dieser Zeit mit beiden eng befreundet sind und schon viele Male den Rennsteig bewältigt haben, ist natürlich klar."

(Auszug aus: "Es gehört für uns zum Leben einfach dazu", Interview mit den Traditionsläufern Klaus Krüger und Roland Winkler. In: UM 1_2015, S. Xx-xy.)