IMG 2431Fünf Athleten des A3K Berlin machten sich am Samstag auf nach Marienwerder (Landkreis Barnim), um sich beim "baff Naturmarathon" mit anderen Laufenthusiasten zu messen.

Es galt, Distanzen zwischen 10,5 Kilometern (eine Runde) und Marathon (vier Runden) zurückzulegen. Die beeindruckendsten Leistungen an diesem Tag sollten der Halbmarathonsieger (1:17 Stunde) und der Marathonsieger (2:42 Stunden) abliefern. Der Sportler vom LG Nord Ultrateam sah nach 42 Kilometern noch derart frisch aus, dass die Zeit gar nicht zu seinem entspannten Gesichtsausdruck zu passen schien. Seine Rundenzeiten in Minuten: 43-40-39-39. 

Bevor um zehn Uhr der Startschuss ertönte, hatte ich mich an die Brücke begeben, die sich etwas einen Kilometer von Start und Ziel entfernt befand und dem Zuschauer die Chance bot, die Sportler gleich zwei Mal zu sehen, da sie an dieser Stelle eine Schlaufe liefen.

 

 IMG 2393Ihr Kinderlein, laufet

Vor dem offiziellen Start gab es das Rennen der Knirpse und Knirpsinnen, die einen bzw. drei Kilometer zurückzulegen hatten. Ich hatte mich unter die Erziehungsberechtigten gemischt und wurde Zeuge verbissener Eltern, die ihre Kinder zu Höchstleistungen brüllten. Die Kamera fest auf den Nachwuchs gerichtet, wurde das Kind angestachelt: „Los, die Jennifer holste noch ein!" - „Jetzt streng dich gefälligst an!" - so ging das am laufenden Band. Kein Kind wurde darauf hingewiesen, es möge Spaß am Laufen haben- mit grimmigem Gesicht wurden Kommandos gebrüllt und Anweisungen erteilt. Hat nur gefehlt, dass einer da mit Stopuhr und Trillerpfeife rumhantiert hätte.

IMG 2384Danach wurde in zwei Wellen das Rennen der Läuferinnen und Läufer gestartet. Maria und Dennis hatten sich entschieden, eine Runde zu laufen. Der Kurs, im ersten Teil etwas sandig, wurde durch einen Traktor, Harvester oder ein Ufo tief durchpflügt, so dass sich dieser Teil etwas schwerer laufen ließ. Ansonsten ging es wie immer durch den Wald, am Wasser entlang, wieder durch den Wald und schließlich ab der Brücke auf Asphalt in Richtung Ziel.

 
 

IMG 2399Der Prototyp einer modernen Laufuhr

Dennis setzte sich von Anfang an in der Spitzengruppe der Halbmarathonis fest, lag bei Kilometer neun – als ich ihn wieder zu Gesicht bekam – an Position drei mit Tuchfühlung zum Halbmarathon-Führungsduo. Er sah extrem unentspannt aus, als er den Anstieg zur Brücke hochlief, bestätigte mir das auch im Anschluss an das Rennen („Ich hatte die ganze Zeit n Puls von 175"), in dem er seinen Platz auf dem Siegerpodest mit einer Sekunde Vorsprung rettete. In der Altersklasse (M 30-39) belegte er Platz eins – die Zeit von 39:15 Minuten erfuhr er erst durch den Aushang im Zielbereich. Seine Uhr („Die war nicht billig, die hat 400 Euro gekostet") gab pünktlich im Ziel den Geist auf und verweigerte die Aussage. Es sollte nicht der letzte Defekt an diesem Tag bleiben.

IMG 2424Maria, die in diesem Jahr schon an einige Läufen und Laufserien teilnahm (und am Tag darauf die 10 Kilometer in 47:01 Minuten zurücklegte) und auf ihren ersten Ultratrail in 2015 hinarbeitet, war mit ihrem Lauf zufrieden, kam nach 51 Minuten ins Ziel – und gewann mal wieder die Altersklassenwertung (W 20-29). Ihrem Wunsch nach einem Preis („Also, so nen 100 Euro Gutschein würde ich schon nehmen") wurde nicht entsprochen – stattdessen gab es eine zweite Medaille. Um sich die Wartezeit bis zur Siegerehrung zu verkürzen, pendelte sie fleißig zwischen Verpflegungsstelle, den Red-Bull-Mädels und dem Zelt hin und her. Nicht ohne sich gefühlte zehn Mal von mir zu verabschieden. „Na dann, bis Montag zum Schwimmen".

IMG 2429Tradition verpflichtet – Jörg startet im Dreiviertelmarathon

Ebenfalls in der ersten Welle starteten dann Holger und Enrico im Halbmarathon, während sich Jörg für drei Runden angemeldet hatte und so ein paar Minuten später in die Spur geschickt wurde. Vor dem Lauf hatten sowohl Dennis („Dit Ding wird a jewinnen. Die ganzen schnellen Leute starten morgen beim Lauf der Sympathie") als auch Jörg keine namhaften Gegner über die drei Runden ausmachen können. Und Herr Plenzke hatte mal alten Unterlagen gewälzt: „Ich hab mal nachgeschaut, 2005 hab ich hier den Marathon gewonnen."

 

IMG 2407Während ich auf die Siegerehrung unter so einem kleinwüchsigen Zelt wartete (wo große Läufer den Kopf einziehen mussten und keine brauchbaren Fotos zu machen waren), spielte sich im Feld der Halbmarathonis ein dramatisches Finale im Kampf um Platz drei ab. Allerdings zog hier Holger den Kürzeren, verschärfte das Tempo erst auf den letzten zwei Kilometern, ohne sich aber entscheidend von seinem Widersacher absetzen zu können. Der machte an der letzten kleinen Welle 400 Meter vor dem Ziel kurzen Prozess und zeigte Holger eine lange Nase. „Gegen so einen Mitzwanziger habe ich einfach keine Chance", gab er sich im Zielbereich entspannt.

IMG 2438Hinter der Ziellinie ausgebremst

Was ihn viel mehr ärgerte, war die Szene, die sich im schmalen Zielkorridor nach der ersten Runde abspielte: Unfähig, seinen beschleunigten Athletenkörper sauber zum Abbremsen zu bewegen, kollidierte er mit einem Trio aus Läufern, die im Ziel mittels eines kleinen Tänzchens ihr erfolgreiches 10,5km-Finish zelebrierten. Im Märchen von Wilhelm Hauf wusste der kleine Muck auch nicht, wie er seine Zauberpantoffeln zum Halt bringen sollte – und landete im Fischernetz. Holger rettete sich also in eine Wand aus jungen Läuferleibern, deren verschwitzte Körper eine natürliche Barriere darstellten. Dummerweise ging dabei das Armband der Laufuhr entzwei. Glücklicherweise war die Uhr im Getümmel schnell wieder aufgesammelt. „Kostet doch sicher wieder 20 Euro", ärgerte sich Holger, der mit seiner Zeit von 1:26 Stunden aber immerhin die Altersklassenwertung (M 40-49) gewann.

Enrico kam knapp zwanzig Minuten später ins Ziel (1:43 h) und machte seine Ankündigung vor dem Lauf („Irgendwas zwischen 1:40 und 1:45) wahr. Und war zufrieden, zumal er in Sachen Langdistanz (Challenge Roth) voll im Plan liegt. Nach dem Rennen, ins Gespräch mit seinem Vereinskollegen vertieft, wusste er nicht, worüber er sich mehr wundern sollte: Über Holgers biologisches Alter oder dessen flinken Beine.

IMG 2417Als ich da so rumstand, wurde ich von Holger angewiesen, mich nützlich zu machen („Es sind noch Athleten auf der Strecke, du sollst Fotos machen"), und machte derart motiviert gleich eine Ansage in Richtung des gelangweilten Streckenfotografen, der mir etwas lustlos schien: „Gleich kommt der Sieger über 30 Kilometer, der Herr in Blau." Schließlich hatte ich Jörg in seinem unnachahmlichen Stil in der Ferne ausgemacht.

 

 

 

 IMG 2410Den Vorsatz vergessen

Als dann aber der Streckensprecher darauf verwies, dass da soeben der Zweite (Jörg) im Drittelmarathon die Ziellinie überquert habe – nach zwei Stunden und knapp drei Minuten – versuchte ich mich unaufällig aus dem Bild zu schieben, da ich den Fotografen in meinem Rücken spürte.

Jörg ärgerte sich weniger über den zweiten Platz und die Zeit als vielmehr über die Tatsache, sich auf ein Duell (mit dem späteren Sieger) eingelassen zu haben. Statt dreier gleichmäßiger Runden – die ihm noch im Plänterwald (15 Kilometer) gelungen waren - hatte er sich dazu verleiten lassen, ein Duell auszufechten.

IMG 2404Fazit

Schöner Wettkampf, lange Wartezeiten, bis die Siegerehrungen durchgeführt wurden (vielleicht sollte Holger das nächstes Mal organisieren – dann klappt das reibungsloser), gute Frühform der erschienenen Athleten, ein paar kurzfristig abgesprungene A3K-ler (Rene, Pascal, Michael), unentspannte Eltern und ein Fotograf, der auf der Strecke weniger Stress gehabt hätte.

 

 

 IMG 2426                                

10,5 km Viertelmarathon >>>

3.    Denis Dinter  1. M30  0:39:15
3.    Blauth, Maria  1. W20  0:51:13

21,1km Halbmarathon >>>

4.    Holger Dembowski  1. M40   1:26:06
44.    Schleusner, Enrico 12. M40  1:42:51

31,5 km Dreiviertelmarathon >>>

 2.    Plenzke, Jörg  1. M50  2:02:57

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