Hawaii2014 image001Nach zwei Wochen nur zaghaftem Waschen der Oberarme wird die Startnummer nun doch immer unlesbarer. Es wird Zeit die Gedanken zum Hawaiitrip vor dem Verblassen niederzuschreiben.

Ich wollte mir etwas Zeit geben um einen Bericht über „mein“ Hawaii 2014 zu verfassen. Die Frage ob es sich lohnt für das Erlebnis Hawaii einen begrenzten Zeitraum auf sehr Vieles im Leben zu verzichten, kann ich mit einem klaren „JA“ beantworten. Fragt man mich ob ich es nochmal machen würde, kann ich auch mit einem klaren „JA“ antworten. Aber, keine Angst, meine liebe Diana, vor 2024 werde ich für keine derartigen Abenteuer um Erlaubnis bitten.

Hawaii2014 image003Wenn einem dieser Sport so viel bedeutet, dann darf man ihn alle zehn Jahre in diesem Ausmaß ausleben. In diesem Sinne bin ich einfach nur dankbar, dass alle Puzzleteile gepasst haben. An erster Stelle steht da meine tolle Familie die mich in meinem Vorhaben immer bestärkt und unterstützt hat. Danke dafür, an Diana und Lasse, meine Eltern, meine Schwiegereltern (Danke Werner und Beate, für die vielen Berlinbesuche). Und dann die ebenso wichtigen Dinge, wie Gesundheit, Verletzungen, Trainingsmotivation, Job, Freunde die einem Mut zusprechen (zuweilen auch anschreien und beschimpfen) und während des Wettkampfes mitfiebern. Obwohl meine Schwester nie vor Ort war, war sie immer präsent, Danke Beate & Family.

Die Mitgereisten, meine Eltern, Ingo der Partylöwe, Totti & Tölle und Olaf haben das Erlebnis wunderschön abgerundet, Danke. Der Leser kann jetzt dankbar sein, dass ich keine Sponsoren habe ….

DHawaii2014 image005ie Woche vor dem Wettkampf ist extrem. Man kann es am Besten als riesiges Openair-Fitnessstudio beschreiben. Überall wird gerannt und geradelt. An der Pier morgens um sieben ist die Hölle los. Wer da nicht zum Schwimmfan wird, dem kann nicht mehr geholfen werden. Ich muss unbedingt an meiner Bauchmuskulatur arbeiten. Ich kam mir soooo fett vor. Egal, schnell ins Wasser, da sieht man´s nicht, und zum vierhundert Meter entfernten Kaffeeboot. Ja, im Pazifik liegt ein Boot an dem einem Kaffee gereicht wird. Normal trinke ich keinen Kaffee, aber das war so genial, da muss man mal eine Ausnahme machen. Und dann weiter schwimmen im Aquarium. Am schönsten fand ich die „Borussiafische“.

 

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 Hawaii2014 image013In der Vorwoche knistert die Luft, wer da nicht den Spirit fühlt, muss tot sein. Es kribbelt, jeden Tag wird es schlimmer. Je näher der Wettkampftag rückt, je stärker wird das Magengrummeln. Jan Frodeno beim Laufen, ähh fliegen, auf´m Alii Drive. Sebestian Kienle beim Intervalle fahren, ähh hämmern, auf´m Highway. Javier Gomez, Bob Babbitt und das who is who lassen Selfies von sich machen. Leider hat Micha den Selfie Contest mit einem „Mark Allen Shoot“ klar gewonnen.
Dafür habe ich Thomas „Hell on Wheels“ Hellriegel mit mir im Kasten. Da muss man aufpassen den Fokus nicht zu verlieren. Aber die letzten Einheiten gingen ganz gut, auch wenn man deutlich merkte, dass hier eher Sauna als Kopenhagenwetter angesagt ist.

AHawaii2014 image011llerdings haben wir uns sehr über den doch eher laschen Wind gewundert. Hawaii ist eben auch nicht mehr, dass was es mal war, hihi…., abwarten.

Der Tag vor dem Wettkampf war hektisch. Die vielen Wechselbeutel sortiert und mit den jeweiligen Inhalten gefüllt. Nochmal Schwimmen, Radeln und Laufen. Meister Yoda, Lasse und Diana auf´s Rad geklebt. Rad abgegeben und dann Füße hoch gelegt! Abends noch einen Zettel geschrieben, was noch zu erledigen ist. Dann ins Bett. So halbwegs gut geschlafen. Um 4.30 Uhr raus. Gute Launemaske aufsetzen und los. Dann leider im Shuttlebus gemerkt, dass meine Gelflasche gut gekühlt im Kühlschrank steht. Sche…e, aber egal jetzt schön locker bleiben, muss ich halt nehmen was angeboten wird. Das Aufbringen der Startnummer (we call it: Bodymarking) war nach ewigem Schlangestehen auch geschafft. Luft aufgepumpt, Not-Powerbar auf den Rahmen geklebt und pipapo. Checkliste durchgegangen, alles fertig und ab in die nächste Schlange zum Schwimmeinstieg. Vorgeschwommen in die dritte Reihe in der Mitte der Startlinie. Für weiter vorn kam ich zu spät.

Hawaii2014 image015Dann 6:50 Uhr Kawumms, der Startschuss. Normalerweise gelingt es mir nach ein paar Minuten meinen Rhythmus zu finden. Unmöglich, es ist dermaßen voll und eng. Es war eine Massenschlägerei. Einstecken, schimpfen, getümpelt werden, Brille gerade rücken, nach Luft ringen, gegen Bojen schwimmen, Meerwassersaufen und das in beliebiger Reihenfolge sechzig Minuten lang. Die letzten 5 min waren dann endlich befreit, nur dann war es (zum Glück) schon vorbei.

Hawaii2014 image017Vor dem Radpart machte ich mir die größten Sorgen. Wie soll man ein sauberes und penaltyfreies Rennen hinbekommen. Und bitte kein Defekt. Hier einen Dank an Elio „Carbontüftler“ Cuncu, der mir eine schickes aerodynamisches Carbonteil gebaut hat in dem mein Pannenmaterial ein neues zu Hause fand. Die ersten Kilometer in Kona waren noch recht hektisch und viele haben hier deutlich überzogen. Draußen auf dem Highway war man zwar nicht allein, aber es ließ sich fair fahren. Dann hieß es, immer schön in dem mir auferlegten Bereich von 180 Watt zu bleiben. Zum Wendepunkt nach Hawi geht´s dann etwas länger hoch, dazu gesellte sich noch ein recht ordentlicher und zickiger Seitenwind. Da musste man den Lenker kräftig anfassen. Aber im Grunde verging die Zeit relativ schnell. Von Hawi aus wollte ich wissen, wie weit der Micha weg war. Nach ca. 4min30sec. (* 2 = ca. 9min) habe ich ihn erkannt, zum Winken blies der Seitenwind allerdings zu stark.

Auf dem Rückweg wechselte der Wind gefühlt hundertmal die Richtung, dazu die giftigen Hügel und der knallende Planet, fertig ist der Mythos Hawaii und das Duell mit Dir selbst. Entgegen dem Jahr 2004 war ich diesmal darauf vorbereitet und konnte bis zum Ende gut Druck auf die Pedalen bringen. Wahrscheinlich weil ich auch meine Vorgaben vorsichtig gewählt (AV 180 Watt) und eingehalten (AV 183 Watt / NP 198 Watt) hatte.

Dann die ewig lange Wechselzone wie auf Eiern abgelaufen. Schnell mal, die in der Vorwoche etwas schmerzende Achillessehne, abgehorcht. Sie meckerte, aber nicht so, dass ich mich davon beeinflussen lassen wollte. Auf deutsch: „Schnauze, hier wird nicht gejammert.“

Dann ging´s zum ersten Wendepunkt den Alii Drive 7km entlang. Hier waren noch Zuschauer, etwas Schatten und eine leichte Meerbrise. All das half nichts, ich kam nicht so gut ins Laufen. Dank der vielen Verpflegungsstände und der überragenden Helfer konnte man sich aber mittels Eis und Wasser immer ordentlich kühlen. Das führte allerdings auch dazu, dass man schon nach sehr kurzer Zeit doppelt so schwere Schuhe hatte.
AHawaii2014 image019m Wendepunkt wieder auf die Uhr geschaut und auf Micha „gewartet“. Ich hatte schon an das Schlimmste gedacht, bis er mir dann endlich nach 13 Minuten entgegen kam. Was war passiert um einen 26 minütigen Rückstand zu rechtfertigen. Später auf dem Highway erzählten mir Tölle und Totti dann, dass er in Hawi gestürzt sei und mit einem schleifenden Vorderrad kämpfen musste. Mist und das hier bei diesem Rennen, er tat mir leid. Anderereits war ich stolz auf ihn, dass er weitermachte. Natürlich wollte ich gern vor ihm im Ziel sein, aber nicht so. Als er mir am Wendepunkt am Energy Lab entgegenkam, haben wir uns abgeklatscht und ich habe versucht ihn aufzubauen. Aber er sah noch recht fokussiert aus, so dass ich mich nochmal zusammen reißen musste. An der Kreuzung zum Highway (noch 12km bis ins Ziel, also Kilometer 30) hatten Micha und ich drei Tage vorher ein Foto von uns machen lassen. Ich versprach, dass ich hier am Wettkampftag in die Kameras lächeln werde. Ich habe mein Versprechen eingelöst, fragt aber nicht nach Beweisen, die gibt es zum Glück nicht.

Hawaii2014 image021Zur Abwechslung und zur Vermeidung der völligen Selbstaufgabe tauchte unvermittelt immer wieder Tölle neben mir auf. Danke dafür. Manchmal hatte ich das Gefühl er sei da, aber er antwortete nicht, dann war er wohl doch nicht da, tsss, muss an den klimatischen Bedingungen liegen. Er hat mich immer gut abgelenkt. Leider auch gefilmt. Tölle ich erlaube diese Videos nur mit meiner ausdrücklichen Freigabe zu veröffentlichen. Du Lump ;-). Wann machst Du eigentlich deine nächste Langdistanz. Ich werde da sein und …..

Dann die steile Palani Road runter, dass Tempo ging nochmal hoch, Hammer, ich fühlte mich wie Mark Allen bei einem seiner Triumphe, aber upps der Oberschenkel wollte nicht mehr so wie der leidende Befehlshaber. Aber egal. Totti und Ingo feuerten mich auch nochmal an. Dann in der Zielgasse. Ich war unendlich froh, dankbar und erleichtert, dass es sich gelohnt hat das ganze Jahr auf die Konakarte gesetzt zu haben. Ihr dürft mich DAYLIGHTFINISHER nennen. Ich habe auf dem letzten Kilometer alles aufgesogen und das Jahr nochmal im Schnelldurchlauf durchgespult. Leider habe ich bei der ganzen Träumerei meine Eltern, die mir eine Schlandfahne bereithielten übersehen.

Hawaii2014 image023Aber Mike „the voice of ironman“ Reilly tönte schon: „Steffen Rada from Germany - YOU ARE AN IRONMAN“. Es mag sich so typisch amerikanisch anhören, aber diese Worte haben mich im Training motiviert. Thank you, Mike!!!

Zeiten: Swim 1:05h / Bike 5:17h / run 3:55h / Ziel 10:28h

Man kann über die WTC sagen was man möchte (… und da gäbe es Einiges). Aber der Ironman auf Hawaii gehört zu den am Besten organisiertesten Rennen weltweit. Phänomenal sind die Helfer. Immer freundlich und immer anfeuernd, teilweise kamen sie hinterher gelaufen wenn die Übergabe nicht geklappt hat. Wahnsinn. Nun sitze ich hier etwas orientierungslos, mache seit mehr als zwei Wochen keinen Sport (fühle mich aber gut dabei). Aber wisst ihr welchen Vorteil ich gegenüber Neil Armstrong nach seiner Mondlandung habe? Antwort: Ich kann wieder auf meinen „Planeten“ fliegen. See you in Kona 2024 !!

Hawaii2014 image025Ob die Straßenbemalungen 10 Jahre überdauern werden? Wir müssen das kontrollieren! Danke an die Künstler. Als ich den Schriftzug auf der Straße laß habe ich eine Weile gebraucht bis ich realisierte, dass es mir (und sicher auch Micha) galt. Und es hat geholfen!

@ Micha, zu deinem Vorhaben im Jahr 2044 Alterklassen-Weltmeister zu werden, Folgendes: In der AK M 75-80, also in 30 Jahren, wirst Du mit wahrscheinlich mit 80 Gleichgesinnten konkurrieren. Dies ist Resultat meiner hochwissenschaftlichen Hochrechnung: 2004 waren es 5 Starter und 2014 waren es 9 Starter, macht eine überschlägige Verdopplung der Starterzahlen im Zehnjahreszeitraum. Was ich mir nicht erklären kann ist, dass der Sieg in 2004 mit 15h13min schneller war als in 2014 mit 15h32min und das bei deutlich schweren Bedingungen in 2004. Tendenz also langsamer, Spaßsportler image028