2014 Kalmar800Ein Mal wie ein Großer am Start eines Ironman stehen … Einmal verstehen was es heisst sich durch diese Distanz zu beissen. Immer habe ich gedacht, dass ich diese Distanz nicht schaffen würde und dann sitzt man eines Tages vor dem Rechner und - verklickt sich. Da man sich heutzutage bereits 12 Monate vorher anmelden muss geht man vorerst relativ entspannt an das Training ran. Zwischenzeitlich hatte ich noch den IM 70.3 Zell am See und dachte im Ziel: „Jaaaaa das ganze nochmal … jetzt so … – na is ja erst nächstes Jahr … puh!
Man trainiert täglich – auch wenn man nicht trainiert, trainiert man sich mental – und motiviert sich gerade im Winter mit den Bildern des Zieleinlaufs im Kopf, um so über die Runden zu kommen. Zur Not muss man auch mal den Nachbarsjungen auf der Hausstrecke im Training überholen für die Motivation. Die Nachhauseläufe – als längerer Dauerlauf – auf der B1 bis zu mir nach draussen ist jetzt auch nicht unbedingt der Leckerbissen. Das Wochenende entschädigt dann aber mit langen Radausfahrten Richtung Polen. Hier sind die Autos ja bekanntlich eher Nachts unterwegs. Hier fährt man alleine und kann gut gegen den Wind kämpfen – so er im Wettkampf auftauchen sollte.

Im Vorfeld hatte ich viel über den IM Kalmar gelesen und in vielen Blogs wurde eben auf diesen Wind hingewiesen. Man klickt dann eben schnell weiter …

Am großen Tag sollte es dann soweit sein. Bereits eine Woche vorher beschäftigt man sich mindestens fünf mal am Tag damit zu checken wie denn das Wetter sein wird und wie viele Regentropfen die App nun noch anzeigt. Da wir bereits eine Woche früher in Schweden unsere Residenz an der Ostsee bezogen, konnte ich hier auch schon mal Wind und Wellen testen um herauszufinden ob die Blogger nun gelogen hatten. Hatten sie nicht! Das Wetter konnte also mit einem machen was es wollte. Tat es auch! Am Rennmorgen allerdings war die Ostsee nicht nur spiegelglatt, sondern auch 22° warm. Der Wind war auch noch nicht aufgewacht und regnen sollte es auch nicht. Ekelt man sich noch bei dem Gedanken um vier Uhr morgens aufzustehen um dann zu Wettkämpfen, fällt es an diesem Morgen recht leicht. Lediglich die Nahrung will nicht so richtig rein. Man quält sich eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon das erste Mal. In der Wechselzone ist dann ab fünf reges treiben und ich kann mit Thomas noch etwas rumalbern. Auch er startete zum ersten Mal und war aber auch guter Dinge. Wir nestelten noch an unseren Rädern rum und gingen dann ordentlich eingepackt zum Start. Von Land aus konnten wir in Gruppen entsprechend der Schwimmperformance starten. Ganz brav haben wir uns bei 1:20 einsortiert. Im Wasser verliert sich dann aber schnell die Spur. Sehen ja doch alle gleich aus und selbst bei 2100 Startern schaffe ich es keinen Fuss zu erwischen. Nachdem ich mich wieder in Reih und Glied zurückbegeben – einige Fische gefüttert (das Wasser war salzig und der Sprit der Boote war unangenehm) und nochmal ordentlich Konzentration in die Technik gelegt hatte, lief es ganz gut und man konnte an Land die Anfeuernden sehen. Zu jeder Zeit waren überall unheimlich viele Leute die einen anfeuerten. Das war schon mal unglaublich. Schließlich zurück in der Wechselzone konnte ich mich zügig aufs Rad werfen und mich gleich in eine gute Gruppe einsortieren. Das Wetter war perfekt und man musste zunächst eine 6km lange Brücke passieren, um auf die Insel Öland zu gelangen wo eine 120km große Runde gefahren wurde. Die Strecke war flach und man flog an den typischen schwedischen Häusern und Landschaften vorbei. Ich hatte gefühlt mega gute Beine, aber dann war ja noch der Wind. Dieser wurde immer stärker und ließ einen langsamer werden. Der Laune tat das keinen Abbruch, denn ich war noch gut auf Kurs. Zurück in Kalmar musste man noch eine abschließende 60km Runde fahren. Die Sonne spielte größtenteils mit und man war eigentlich die ganze Zeit mit essen und trinken beschäftigt. Ich freute mich schon auf das Laufen und hatte ein sehr gutes Gefühl. Die ersten km waren auch recht schnell. Ich hatte regelrecht Probleme mich zu bremsen, um ein lockeres Tempo zu finden. Man lief durch die Altstadt, was zwar zum Vorteil hatte von 50.000 Zuschauern begeistert beklatscht zu werden, aber auch zum Nachteil, dass man auf altem Altstadtpflaster laufen musste. Konzentration war also gefragt. Man lief drei Runden durch Kalmar wieder vorbei an Häusern wo die Leute den Grill ausgepackt hatten und mit Bier sich die Zeit beim zuschauen versüßten. Jetzt begann die Zeit die bunten Bändchen zu sammeln und eigentlich auch das Tempo zu halten. Letztes gelang mir leider nicht, da ich dann doch zu oft ins Dixi musste. Aus diesem Grund hatte ich in weiser Voraussicht auf einen Zweiteiler gewechselt.

Eine Zeit lang bin ich mit einem Pontius gelaufen. Immer schrien die Leute „Pontius“ egal wo wir lang liefen. Irgendwann frage ich ihn was es zu bedeuten hätte, er könne doch unmöglich so viele Leute kennen. Vielleicht lief ich ja so schnell wie die PROs und war auf einen aufgelaufen? Meine Uhr verriet aber diese Lüge. Er erzählte mir jedenfalls, dass er vor 20 Jahren das erste Mal den Kalmar Triathlon ins Leben gerufen hätte, welcher nun vor drei Jahren zum IM wurde. Er war also der schillernde Harald Glöckler des IM Kalmar. Ich lief dann alleine weiter – wollte ich doch, dass die Leute auch mal meinen Namen rufen… Kurz vor dem Ziel kann man sich nochmal ordentlich in der Altstadt anschreien lassen und genießen. 20 Selfies später und nach dem typischen Handshake mit Paul, biegt man durch den Zielbogen und freut sich es geschafft zu haben. Ich hab mein Ziel zwar um 17 min verfehlt, bin aber trotzdem happy mit dem Ergebnis.

Fazit: Blogger lügen nicht! Ein sehr schöner Wettkampf. Schwimmen in der Ostsee macht Laune. Die Strecke ist als Rundkurs recht kurzweilig – auch nach mehreren Stunden. Auf der Laufstrecke cheeren die Leute einen ins Ziel und die Organisation ist bei solchen Rennen ohnehin perfekt. Empfehlenswert.

Basti und Thomas T. in Kalmar:

       Endzeit  Schw.  T1  Rad  T2  Lauf
 581. Sebastian Seiffarth  LD  143.AK35m  11:17:47  1:17:47  4:43  5:35:44  4:12  4:14:40
1434. Thomas Thamm  LD  230.AK45m  13:24:12  1:22:19  9:41  6:47:00  4:19  5:00:53

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