2013 09 AndreaThammRADDie Anmeldung zur Weltmeisterschaft im Paratriathlon hatte ich schon kurz nach meiner Tumor-OP Ende letzten Jahres anvisiert. Qualifiziert war ich ja durch meine beiden DM-Titel aus 2012. Ein bisschen größenwahnsinnig fühlte sich das schon an, aber wenn nicht jetzt, wann dann, dachte ich.

Zur „Vorbereitung“ gehörte natürlich auch die EM in Alanya im Juni, bei der ich erst einmal international klassifiziert wurde. Die Klassifizierung ist eine medizinische Untersuchung durch zwei offizielle Klassifizierer der ITU, bei der die Paratriathleten entsprechend ihrer Behinderung in eine bestimmte Startklasse eingestuft werden.

Bloß nicht Letzte werden, war mein „kleines“ Ziel in Alanya, was ich mit dem fünften Platz auch erreichte und mächtig stolz war.

Danach ging es gleich in die Sommerferien und somit in die nächsten Wettkämpfe.

Schließlich konnte ich in diesem Jahr alle drei Deutschen Meistertitel (Mitteldistanz, Sprint, Supersprint) in meiner Startklasse TRI4 einheimsen und das „Triple“ perfekt machen. Besonders gefreut hat mich der Titel in der Mitteldistanz beim Nordseeman in Wilhelmshaven. Hier war ich die erste Paratriathletin überhaupt, die diese Strecke absolviert hat.

Zwei Wochen nach der letzten Meisterschaft ging es schon nach London. Der Wettkampf fand im Hyde Park auf der Olympiastrecke statt. Ganz London war von Athleten bevölkert, überall waren Sportler, vor allem Age-Grouper, zu sehen. Hier und da auch ein paar Paratriathleten. Zwölf Starterinnen waren in meiner Startklasse gemeldet.Über die europäische Konkurrenz war ich durch Alanya ja schon einigermaßen im Bilde. Die ersten drei Plätze würden sowieso von den drei starken Britinnen, die schon an den Paralympics im Schwimmen teilgenommen hatten, belegt werden. Viele der Starterinnen in meiner Startklasse waren so alt wie meine Tochter, daher hatte ich bezüglich einer Platzierung keine großen Hoffnungen. Vielleicht unter den ersten zehn, das wäre doch schon was.

2013 09 AndreaThammLAUFLondon zeigte sich am Wettkampftag mit typischem Londoner Regenwetter. Mein einziger Gedanke war nur noch durchkommen und nicht mit dem Rad stürzen. Die Startzeit für die Frauen der Klassen TRI 2-6 war um 14:30 Uhr. Das Wasser im Serpentine Lake im Hyde Park hatte nur 15°C, ganz schön kühl. Wenigsten war es aber ruhig, nicht so wellig wie in Alanya, wo wir im Mittelmeer geschwommen sind. Nachdem alle Starter noch über Lautsprecher namentlich vorgestellt wurden, starteten wir im Wasser von einem Ponton aus. Die 750m Schwimmen waren recht schnell – für meine Verhältnisse – vorbei und beim Ausstieg merkte ich, dass mir weitere Starter folgten. Ich konnte also nicht Letzte sein! In der Wechselzone sagte mir meine Tochter, die mir assistierte, dass ich an siebenter Stelle war. Beim Wechsel wurde ich noch von zwei Starterinnen überholt, konnte aber nicht erkennen, ob sie zu meiner Startklasse gehörten. Der Radkurs war sehr kurvig, mit vielen Pollern bepflastert und durch den Regen vor allem sehr glatt, so dass es doch zu einigen Stürzen kam. Der Wechsel auf die Laufstrecke verlief sehr gut. Ich war zu diesem Zeitpunkt der Meinung, dass ich auf dem achten Platz liege, den wollte ich unbedingt halten. Im Ziel erwartete mich dann meine Tochter und gratulierte mir zu einem siebenten Platz. Das konnte ich nun gar nicht glauben, so dass ich warten wollte bis alle anderen im Ziel waren. Überglücklich stellte ich fest, dass tatsächlich noch fünf Starterinnen nach mir kamen.

Ein siebenter Platz bei einer Weltmeisterschaft. Besser kann doch eine Saison nicht zu Ende gehen…

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Bilder genehmigt von Petko Beier.