Es kann nicht nur einen geben. Zumindest nicht beim Liga-Auftakt in Cottbus. von cf

Denn das Desaster ist für alle da. Kaum einer, der sich nicht ein schönes Stück vom Chaos-Kuchen auf den Teller schob. Doch die Talente sind unterschiedlich verteilt. Nicht jeder hat das Zeug zum Master of Desaster, nur einer kann den Titel holen. Schauen wir uns zunächst die Kandidaten an, denen es in Cottbus nicht gelang, ihr Pleiten-Potenzial auszuschöpfen, die Looser der Pannenstatistik.

1. Die Toyotas

Jörg Hering – eigentlich ein sicherer Kandidat für erfolgreiches Versagen in der ersten Disziplin, doch: Schwimmen mit Neo, stromabwärts in der hüfttiefen Spree. Da war für Hetzer nichts Desaströses draus zu machen. Außer vielleicht dem Versuch, mit dem Bauch auf Grund zu laufen. In der Hoffnung, wenigstens vor seiner stärksten Disziplin, dem Laufen, aus dem Rennen genommen zu werden, nahm er, soweit ich es beobachten konnte, manches Hinterrad in genaueren Augenschein. Aber außer einer guten, also kurzen, also einer für die hier vorzunehmende Wertung schlechten Radzeit, sprang nichts dabei heraus. Völlig frustriert absolvierte er auch die Laufstrecke, geriet in die Wertung und heulte sich bei den Massage-Mädels aus. Prädikat: Versager

Thomas Micklich – versuchte es auf die blöde Tour: „Alle wissen, dass ich nicht schwimmen kann, das zeige ich und dann bin ich soweit hinten, dass ich einen ganz normalen Wettkampf machen kann." Verspekuliert und deutlich in der Wertung. Prädikat: Denkste

Enrico Schleusner – noch so ein Neuling, der eiskalt abgekocht wurde. Wähnte sich in Sicherheit am Ende des Feldes, konnte dann aber den trockenen Stehversuch eines erfahrenen Konkurrenten nicht parieren. Prädikat: an Erfahrung gewonnen

Oliver Rott – früher auf 1 gesetzt, heute ein hoffnungsloser Fall. Der Mann hat einfach nicht kapiert, worum es geht. Okay, er verpasst den Zug zum Start – und steigt dann in den nächsten doch ein. Hatte sich beim Schwimmen noch halbwegs unter Kontrolle, fuhr jedoch, wie befürchtet, mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit Fahrrad und genügte anschließend nicht einmal den Minimalanforderungen an Erschöpfung und körperlichen Verfall. Prädikat: Spielverderber

Christof Latendorf - Ich gebe zu, es war nicht mein Tag, aber ich möchte, dass meine Leistung angemessen gewürdigt wird. Deshalb mache ich das lieber selbst: Ich hatte kurz nach dem Start Panikattacken, Atembeklemmungen, musste mehrmals aufstehen, den Neo öffnen und im schwimmenden Feld laufen (nebenbei gesagt: eine lustige Perspektive). Im Wechselraum riss ich meine Startnummer vom Band ab, stopfte sie in die Hose und wartete darauf, aus dem Rennen genommen zu werden. Was ich nicht wusste: Dafür musste man in Cottbus viel mehr bieten. Auf der Laufstrecke versuchte ich, mich autosuggestiv in einen Hungerast hineinzuphantasieren und schließlich sah ich im Ziel wirklich sehr schlecht aus. Prädikat: gewollt und nicht gekonnt

 

2. Die BMWs – häufig kaputt aber nicht häufig genug

Martin Günther – der Mann ist eine Bank. Dachten einige. Aber im Versuch, seine Pannen zu variieren, geht doch manches daneben. Seine neueste Masche: unsportliches Verhalten. Riss beim Ausstieg aus dem Wasser einen der beiden Helfer in die Spree, Modell nasser Sack. Als er trotzdem weitermachen musste, blieb er auf dem Rad immer 100 m hinter mir, was nur durch plötzliche Tempoverschleppung und Abbremsen zu schaffen gewesen sein kann. Schließlich ein taktischer Fehler: im Hoffen, eine Disqualifikation zu provozieren schloss er sich für eine halbe Runde einer überrundenden Gruppe an, wurde jedoch von den Wettkampfrichtern mit Weiterfahren bestraft. Zudem hatte er wertvolle Plätze nach hinten eingebüßt. Prädikat: kreativ aber wirkungslos

Peter Krebs – hatte schon im Vorfeld versucht, sich aus der Mannschaft zu stehlen, indem er sich rechtzeitig einen Startpass für einen anderen Verein bestellte. Als diese Aktion vom Ligawart pariert und er mit Startberechtigung belegt wurde, verschaffte er sich mit der Vorlage zum entscheidenden Treffer einen uneinholbaren Vorsprung in der Scorerwertung: Er verbrachte Oles Startunterlagen an einen geheimen, bis heute unentdeckten Ort. Auf diese Weise führte er eindrucksvoll vor, dass Chaos auch ein Ergebnis gelungener Teamarbeit sein kann. Prädikat: Flankengott

 

3. Die Opel Calibras – Könige des Straßenrandes

Stefan Moritz – wer will dem noch was vormachen? Ein abgezockter Typ, der mustergültig umsetzt, was er im letzten Jahr gelernt hat. Internen, der Redaktion vorliegenden Dokumenten zufolge, ist er ausschließlich wegen seiner Vollstreckerqualitäten in die Mannschaft geholt worden. Kann nichts, geht aber dahin, wo es wehtut. Ließ mit einer sehenswerten Körpertäuschung Enrico vorbei und stieg aus. Prädikat: Knipser

Christian Damaschke – der Meister des gepflegten Unterstatements. Aussteigen und so tun als sei man niemals drin gewesen. Ooch, Triathlon, ja, ich nehm noch einen Latte Macchiatto und einen Eierlikörbecher ohne Eierlikör. In Wirklichkeit: ein Künstler. Begegnete auf der Radstrecke einer ebenfalls auf dem Cottbuser Stadtring unterwegs befindlichen Wespe und besprach mit dieser, sich in der Führung abzulösen. Als der Wespe in der dritten Runde aufging, dass das Tempo bei Christians Führungen regelmäßig runterging, eskalierte sie die Situation, indem sie ihn stach. Christian seinerseits forderte die Herbeiziehung eines externen Supervisors. Als die Wespe dieser Forderung bis zur siebten Runde nicht nachgekommen war, teilte er seinem Chief of Administration mit, dass er das Projekt verlässt. Prädikat: konsequent

Ole Ditten – Bevor man die Tatsache bewertet, dass Ole mit zwei Fahrrädern anreiste, sollte man darüber reden, wie viele Rennräder er zu Hause ließ. Die Angaben darüber schwanken allerdings zwischen 17 und 23. Auch darüber, welches Rad er gerade warmfuhr, als Peter die Transponder verteilte und welches, als die Bahn zum Schwimmstart abfuhr weiß man nichts Genaues. Ohne Transponder zu spät zum Start kommen – wer sollte ihn bei dieser Konstellation noch vom Thron stoßen? Doch was er nicht wusste: Er spielte seinem ärgsten Widersacher um den Titel just mit der Verspätung in die Arme. Denn am Start wurde gewartet. Ole musste mitschwimmen. Da die Wechselzone seitlich eingezäunt wurde, war er später gezwungen, diese in Richtung Radstrecke zu verlassen. Dort geriet er mehrfach in Gefahr, Teilnehmer eines zufällig stattfindenden Regionalliga-Triathlons zu überholen. Das wurde ihm zu riskant und er hielt an. Prädikat: rücksichtsvoll

Jörg Plenzke – so sieht ein wahrer Champion aus. Ein Master. Nach dem A3K-Cup holte er sich in Cottbus eindrucksvoll den nächsten Titel. Nach dem Motto „Is warm, brauch keen Gummianzug." ließ er seinen Neo zu Hause, der alte Fuchs, fuhr mit der ersten Gruppe zum Schwimmstart und stand etwa 20 min in der 19 Grad warmen Spree herum. In den Monaten zuvor hatte er sorgfältig jedes Gramm die Auskühlung behindernden Fettes verbrannt. Nun war der Moment gekommen zu zeigen, wer wirklich cool ist. Nach dem Start überantwortete er sich ohne nennenswerte Eigenbewegung der Strömung und wurde am Ausstieg zwischen Olli und Hetzer als Treibgut aus der Spree geborgen. Nach flüchtiger Herz-Lungen-Wiederbelebung, konnten ihm einige Vitalfunktionen nachgewiesen werden, so dass er nach DTU-Sportordnung den Wettkampf zunächst fortsetzen musste. Nach der siebten Radrunde beschloss er, die Laufstrecke schon mal anzutesten.
Als ich zum Laufen wechselte, war Plenzke neben mir auch mit Schuhwechsel beschäftigt. Schön, dachte ich, doch etwas stimmte nicht: Plenzke wechselte von den Lauf- in die Radschuhe. Nun also hielt er den Zeitpunkt für gekommen, die verbliebene achte Radrunde zu fahren. Warum er im Anschluss die restlichen drei Laufrunden am Stück absolvierte, ohne zwischendurch beim Schwimmen oder Paddeln oder im Ziel vorbeizuschauen, wird sein Geheimnis bleiben. Der Veranstalter jedenfalls disqualifizierte ihn, weil man fand, er hat sich einen Vorteil verschafft. Und das finde ich auf meine Art auch. Prädikat: unschlagbar

Ergebnisse:

Master-Einzel
Master-Team
Männer-Einzel
Männer-Team

Quadrathlon mit Peter Wuttke und Klaus Krüger

Offener Triathlon mit Rene